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 Eulen

                               Eulen Könige der Nacht

 

Zwischen Bewunderung und Angst schwankt die menschliche Einschätzung der Eulen

im allgemeinen . In verschiedenen Kulturen sind sie das Sinnbild für das Böse , als Symbol des

Teufels finsterer Mächte . Im abendländischen Kulturkreis wurden Eulen als Verbündete des

Todes angesehen . So verwundert es nicht , daß sich ein Brauch bis ins 20 . Jahrhundert hinein

retten konnte , der seine Wurzeln in der Antike hat . Eulen werden zum Schutz des Viehs und

von Haus und Hof an Scheunentore und tragende Balken genagelt . Diese Unsitte sollte vor

Hexen , Blitzschlag , Hagel und vor dem bösen Blick schützen . Unverwechselbare Merkmale der

Eulen sind der lautlose Flug , eindrucksvolle Gesichter mit großen Augen und kräftige

Hakenschnabel . Weltweit gibt es zirka 150 Arten , die überall auf der Erde vorkommen ,

abgesehen von der Antarktis und einigen ozeanischen Inseln . In Europa sind 13 verschiedene

Eulenarten heimisch . Ihre Verbreitung erstreckt sich von der schneereichen Tundra im

Norden bis zu den heißen , trockenen Kulturlandschaften im Süden . Davon sind in

Deutschland 8 Eulenarten als Brutvögel nachgewiesen ; Waldkauz , Waldohreule ,

Schleiereule , Steinkauz , Rauhfußkauz , Sperlingskauz , Uhu und Sumpfohreule .

Sechs Arten sind in ihrem Bestand gefährdet und stehen auf der Roten Liste der vom

Aussterben bedrohten Vogelarten . Dabei ist der Uhu , die größte europäische Eule ,

mit einer Spannweite bis zu 180 cm und einem Gewicht bis zu 3200 Gramm . Der

kleinste Vertreter dieser Vogelgruppe ist der Sperlingskauz mit einer Flügelspannweite

von nur 35 cm und einem Gewicht von 68 Gramm . Eulen sind größtenteils nachtaktiv .

Im laufe der Evolution haben sie Fähigkeiten entwickelt , die sie zu guten Nachtjägern

machten . Besonders die Sinnesleistungen der Augen und des Gehörs sind rekordverdächtig

im Reich der Natur . Um in der Nacht gut zu sehen , muß das Eulenauge in der Lage sein ,

noch schwaches Licht auszuwerten . Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurde

beobachtet , daß der Uhu bei Vollmond eine Beute in 300 Metern Entfernung fixieren

kann ! Der Glaube der Menschen , daß Eulen im Dunkeln sehen können , ist falsch .

Richtig ist , auch sie brauchen Restlicht , um Beute wahrzunehmen . Eine viel wichtigere

Rolle bei der Jagt spielt das Gehör , die akustische Wahrnehmung . So kann der

Rauhfußkauz aus über 60 Meter akustisch eine Maus erfassen . Mit etwas Glück kann

der interessierte Naturbeobachter auch im Gladbecker Stadtgebiet die Könige der

Nacht beobachten . Nachgewiesen sind in Gladbeck als Brutvögel die Schleiereule ,

die Waldohreule , der Waldkauz und der Steinkauz . Eine gute Methode , um

Vorkommen von Eulen in einem bestimmten Gebiet festzustellen, ist das Verhören

am Abend und in der Nacht . Die günstigste Zeit sind die Frühlingsmonate ab

Februar , aber auch zur Zeit der Revierabgrenzung im Herbst . Ein Problem muß noch

angesprochen werden , es sind die Ästlinge . Fast alle jungen Eulen verlassen das

Nest , bevor sie richtig fliegen können . Sie springen aus der Nisthöhle auf den Boden

und klettern unter Zuhilfenahme des Schnabels auf den nächsten Strauch oder Baum .

Dort hocken sie auf den Ästen und lassen sich von den Elternvögeln versorgen .

Deswegen werden die Jungeulen auch als Ästlinge bezeichnet . Besorgte Menschen

sehen diese Tiere als verwaist an und nehmen sie mit nach Hause . So etwas ist

natürlich grundverkehrt . Die Versorgung der Jungeulen ist durch die Eltern

gesichert . Menschliche Hilfe ist also überflüssig . Um die geheimnisvollen Vögel

zu schützen , ist es wichtig , eine strukturreiche Kulturlandschaft zu erhalten ,

störungsfreie Brutplätze und eine positive Einstellung zu den Eulen zu schaffen .

Es liegt an uns , den Königen der Nacht das Überleben in der Zukunft zu ermöglichen .

 

Michael Korn

 

Junge Waldohreule

Foto:Karl-Heinz Ochlast