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Totholz ist Leben
Was für den Laien ein Widerspruch in sich ist , das Altholz oder Totholz Leben bedeuten soll , das ist es für den Fachmann keineswegs . Totholz enthält eine Vielzahl von Organismen , die sich
im Laufe der Evolution an diese Lebensstätte angepaßt haben . Noch etwas Wichtiges vorweg ! Gartenabfälle , die von einigen Zeitgenossen in die Wälder gekippt werden , sind nicht das gleiche
wie Tot – oder Altholz im Wald . Das kubikmeterweise Abkippen von Gartenabfällen ist kein lobenswerter Akt , sondern einfach Umweltfrevel . Totholz entsteht durch das Absterben von
Bäumen und Ästen aufgrund biologischer oder physischer Ereignisse wie Brand , Blitzschlag , Windwurf und so weiter . Leider hat sich der natürliche Charakter unserer Wälder im Laufe der
Zeit sehr stark verändert . Neue Forstwirtschaftsmethoden , Monokulturen lassen angeblich keinen Raum für eine natürliche Waldentwicklung . Übertriebene Ordnungsliebe , die Vorstellung von einem
sogenannten schönen Waldbild haben dafür gesorgt , daß ganze Wälder leergeräumt wurden . So ist es kein Wunder , daß Tier und Pflanzen die auf Altholz angewiesen sind , auf der Roten Liste
der vom Aussterben bedrohten Arten stehen . Die Bedeutung des Artenschutzes ist besonders gut bei den Käfern zu belegen . So Leben zirka 25 Prozent aller in der Bundesrepublik Deutschland
vorkommenden Käferarten am Holz verschiedener Zerfallstadien . Zum Beispiel sind Hirschkäfer , Nashornkäfer und der Moschusbockkäfer in der Larvenentwicklung auf Totholz angewiesen !
Von den Insektenlarven im Holz ernähren sich die Spechte und andere heimische Vögel . Der Specht zimmert auch gerne für sein Nest Höhlen ins morsche Holz . Diese Baumhöhlen
nutzen viele andere Tiere als Nistplatz , Sommer – oder Winterquartier , wie Bilche , Fledermäuse , Vögel und Insekten . Es verwundert doch sehr , daß in den Wäldern der Stadt Gladbeck der
Totholzanteil so gering ist ! Bei einer naturnahen Waldbewirtschaftung sollte ein Anteil von fünf bis zehn Kubikmeter Totholz pro Hektar Wald möglich sein . Der Hinweiß auf die
Verkehrssicherheitspflicht ist zwar richtig in der unmittelbaren Nähe von Wegen ; das kann aber doch nicht bedeuten , daß jeder tote Baum im Bestand gefällt werden muß .Totholz bedeutet mehr
Leben , mehr Vielfalt an Tieren und Pflanzen im Wald . Je artenreicher ein Waldlebensraum , desto stabiler ist er gegen äußere Einflüsse . Für den Menschen ist der Tot ein Tabuthema , in der Natur
kann er ein Faktor der biologischen Vielfalt sein . Michael Korn |