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Kanadisches Berufskraut Neophyten – die Neubürger im Pflanzenreich
Als Neubürger bezeichnet man Pflanzen ( Neophyten ) , die in historischer Zeit in einem Gebiet aufgetreten sind . Zu den Neophyten werden im allgemeinen solche
Pflanzenarten gezählt , die nach dem Jahre 1500 , also in der Neuzeit bei uns eingewandert sind . Eine besondere Rolle bei der Verbreitung dieser Pflanzen spielt
der Mensch ! Teils wurden sie unabsichtlich im Zuge der zunehmenden weltweiten Handelsbeziehungen und Verkehrsströme eingeschleppt , oder sie kamen als
Zierpflanzen in botanische Gärten und Parks , später auch in Hausgärten . Andere Arten wurden sogar ausgesät , um als Nutzpflanzen zu dienen . Irgendwann haben
sich diese Pflanzen in die freie Natur ausgewildert ! Als Ausbreitungsmedium waren Wasser , Luft , Tiere und der Mensch sehr hilfreich . Der Mensch hat hauptsächlich
indirekt durch alltägliche , ungezählte Transporte Ablagerungen von Erdmaterial , Bauschutt und Deponiegut den Siegeszug der Neophyten beschleunigt . Es gelingt
natürlich nicht allen Arten , in den jeweiligen Floren dauerhaft Fuß zu fassen , aber bezogen auf das alte Bundesgebiet sind bereits schon 267 neophytische Arten
bekannt . Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich einige Arten rasant ausgebreitet . Am augenfälligsten säumen sie an Bahnlinien wie z . B . das
schmalblättrige Greiskraut den West – und Ostbahnhof in Gladbeck . Es werden überwiegend Standorte besiedelt , die der Mensch in der einen oder anderen Form
geschaffen wurden , z . B . offene Bodenstellen aufweisen und somit die Ansiedlung der Arten begünstigen . Es fällt auf das Fehlen von natürlichen Fraßschädlingen und
Parasiten und eine starke Ausbreitungsfähigkeit über Samen oder über Wurzeln – Rhizomsysteme . In einigen Bereichen wird die angestammte Flora durch
die Neubürger sogar zurückgedrängt . Die Artenvielfalt verschwindet in Monokulturen von Neophyten . Damit kann das Nahrungsangebot z . B . für Insekten schwinden ,
weil die heimischen Tiere in jahrtausendlangen Anpassungsprozessen auf einheimische Pflanzen angewiesen sind . Zu den Neophyten , die auch in Gladbeck
zu finden sind , zählt die Gemeine Nachtkerze ( Oenothera biennis ) . Seit der Einschleppung aus Nordamerika ( ab 1619 ) haben sich in Mitteleuropa neue Arten
entwickelt , die nichts mehr mit der ursprünglichen Pflanze aus Nordamerika zu tun haben . Noch vor 170 Jahren war sie in Westfalen sehr selten . Das erste Auftreten
wurde schon 1797 an der Ems von Wernek beschrieben . Die Pflanze hat durch die Eisenbahn und die Kanalschiffahrt eine sehr große Verbreitung erfahren . Besonders
entlang von Flüssen wie der Ruhr , Volme , Lippe , Ems , Weser und Werra war früher der Verbreitungsweg . Heute ist die Pflanze in ganz Westfalen häufig entlang
von Bahndämmen und Industriebrachen zu finden , so auch in Gladbeck . Die Blüten öffnen sich erst in der Dämmerung ; Der Hauptduft aber ist nachts , um Nachtfalter
anzulocken . Die Blütezeit ist von Juni bis August . Früher wurde Gemeine Nachtkerze auch als Gemüse genutzt , die fleischigen , etwas bitteren Wurzeln auch als gelbe
Rapunzel und Schinkenwurzel bezeichnet . Der Sachalin und Japan Knöterich ( Reynoutria sachalinensis – Reynoutria japonica ) . Eingeführt als Zierpflanze wurde
R . japonica 1825 , R . sachalinensis 1869 nach Europa . Schemmann erwähnte ihn schon 1884 : Am Ruhrufer bei der Zeche Nachtigall , unweit bei Witten , hat sich seit
Jahren mir eine unbekannte Spec . eingebürgert . Gemeint ist der Japanische Staudenknöterich . Diese Art entwickelt sich leider zum Sorgenkind des Naturschutzes
! Ausbreitungsstark , konkurrenzstark kann es besonders in Bachauen zur Unterdrückung der einheimischen Flora kommen . Knöterich ist eine Pflanzenart ,
die bis zu drei Meter groß werden kann . Was wenig bekannt ist , daß beide Knötericharten früher auch als Viehfutter genutzt wurden . Mit dem Sachalin –
Knöterich werden sogar wissenschaftliche Versuche unternommen , um schwermetallverseuchte Böden zu entgiften . Das Schmalblättrige Kreuzkraut
( Greiskraut ) ist eine Begleitpflanze des Baumwollanbaus . Diese Pflanze wurde durch den Export von Rohwolle nach Europa eingeschleppt . Herkunft Südafrika ,
erstes Auftreten in Deutschland 1890 in der Nähe einer Wollkämmerei in Bremen . In Westfalen erster Fundort 1976 am Rand einer Mülldeponie in Lütenbeck bei
Wuppertal . Besonders entlang von Bahndämmen hielt das Kreuzkraut seinen Siegeszug in Deutschland. Vermutete Ursache : Klimaveränderungen . Blütezeit von
August bis Oktober . Abschließend ist zu sagen , es geht nicht um eine Verteufelung der Neophyten ; sie sind und bleiben ein bunter Farbtupfer in unserer Pflanzenwelt .
Trotzdem : Bei der Gefährdung der einheimischen Flora durch die Neubürger in Pflanzengestalt wie z . B . Riesenbärenklau , Indisches Springkraut und Japanischer
Staudenknöterich sollte und muß der Mensch bekämpfend eingreifen , selbstverständlich mit umweltfreundlichen Maßnahmen . Michael Korn |